F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode

Wie kennzeichnet sich eine rezidivierende depressive Störung, mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode?

Eine rezidivierende depressive Störung kennzeichnet sich durch wiederkehrende depressive Phasen im Leben. Die betroffenen Personen haben in einer solchen depressiven Phase meist große Schwierigkeiten alltägliche Aktivitäten zu bewältigen und leiden oft unter Konzentrations-, Gedächtnis- und Schlafstörungen. Selbstwert und Selbstvertrauen sind häufig beeinträchtigt. Die Stimmung ist meist gedrückt, der Antrieb und Appetit vermindert. Oft treten eine gesteigerte Müdigkeit und eine allgemeine körperliche Abgeschlagenheit auf. Und auch körperliche Beschwerden wie funktionelle Störungen von Herz, Kreislauf, Atmung, Magen und Darm oder aber auch Muskelverspannungen und diffuse Nervenschmerzen können auftreten. Je schwerer eine depressive Phase ausgeprägt ist, desto mehr Beschwerden treten bei den Betroffenen auf. Der Beginn einer solchen rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode kann akut oder schleichend sein. Die Dauer der depressiven Phase kann dabei von einigen Wochen bis hin zu vielen Monaten reichen und auch in ihrer Schwere variieren.
Mit einer solchen Diagnose sind Sie aber keinesfalls alleine. 2,8 Prozent der Bevölkerung über 18 Jahren waren im Jahr 2012 von einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1) oder einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelgradigen Episode (F33.1) betroffen. Das entspricht einer Anzahl von circa 1,9 Millionen Menschen über 18 Jahren.

Wie wird eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (F33.1) festgestellt?

Zum Ausschluss einer organischen Ursache wird in der Regel zunächst eine Differenzialdiagnostik durchgeführt. Für eine rezidivierende depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode nach dem Klassifikationssystem ICD-10 sind folgende diagnostische Kriterien maßgeblich: Es müssen mindestens zwei der Hauptsymptome (depressive Stimmung, Interessenverlust oder eine Verminderung des Antriebs) über mindestens zwei Wochen anhalten und zusätzlich dazu drei bis vier Zusatzsymptome aufgewiesen werden. Außerdem gab es in der Vorgeschichte wenigstens eine weitere depressive Episode. Die Diagnosestellung einer solchen depressiven Störung erfolgt in der Regel mittels verschiedener Fragebögen und Testverfahren.

Wie entsteht eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (F33.1)?

Die Entstehung einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelgradigen Episode (F33.1) lässt sich auf ein Wirkungsgefüge zwischen biologischen (z.B. genetische Veranlagung), psychischen (z.B. kognitive Defizite) und sozialen (z.B. Arbeitsplatzkonflikte, Stress) Faktoren zurückführen. Bei der Entstehung einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelgradigen Episode (F33.1) wirken also immer mehrere Faktoren zusammen.

Gibt es Risikofaktoren für das Auftreten einer solchen depressiven Störung?

Bestimmte Faktoren können das Risiko des Auftretens einer depressiven Störung erhöhen. Hierzu zählen vor allem biologische Faktoren (depressive Erkrankungen in der Familiengeschichte, körperliche Risikofaktoren, z.B. chronische Erkrankungen, oder hormonelle Umstellungen), andere psychische Störungen, psychosoziale Risikofaktoren (Traumata, soziale Isolation, aktuell belastende Lebensereignisse oder chronischer Stress) sowie Lebensstilfaktoren (Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel). Vor allem letzteren kann mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten entgegengewirkt werden. So wurde beispielsweise herausgefunden, dass bereits ein bis zwei Stunden leichte körperliche Bewegung pro Woche das Risiko an einer depressiven Störung zu erkranken erheblich verringern. Für das Wiederauftreten einer depressiven Erkrankung spielen zudem die Anzahl vorangegangener depressiver Phasen, deren Dauer, die Länge des Zeitraums zwischen vorangegangen depressiven Phasen sowie die Schwere der Symptomatik und das Alter bei Beginn der Symptomatik eine Rolle.
Das Risiko eine depressive Erkrankung zu entwickeln, kann aber auch durch sogenannte Schutzfaktoren reduziert werden. Hierzu zählen personale Schutzfaktoren (Persönlichkeitsmerkmale, Bewältigungsstrategien und körperliche Schutzfaktoren, z.B. ein gutes Immunsystem und körperliche Gesundheit), soziokulturelle Schutzfaktoren und soziale Schutzfaktoren (soziale Unterstützung, z.B. Partnerschaft, Sozialbeziehungen am Arbeitsplatz, Netz sozialer Bindungen im privaten Bereich).

Was kann ich bei einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (F33.1) tun?

Versuchen Sie weiterhin Aktivitäten nachzugehen, die Ihnen früher Freude bereitet haben und bleiben Sie in Kontakt mit Ihrer Familie und Ihren Freunden. Halten Sie so gut wie möglich regelmäßige Ess- und Schlafgewohnheiten ein und bewegen Sie sich regelmäßig, auch wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist. Vermeiden oder Reduzieren Sie zudem den Konsum von Alkohol und konsumieren Sie keine illegalen Drogen, da diese die depressive Störung verschlimmern können. Teilen Sie sich jemandem, dem Sie vertrauen, über Ihre aktuelle Situation mit und wenden Sie sich an eine medizinische Fachkraft.
Als Angehörige beziehungsweise Angehöriger können Sie betroffenen Personen hierbei Ihre Unterstützung anbieten. Informieren Sie sich vorab, das kann Ihnen helfen manche Verhaltensweisen der Betroffenen besser zu verstehen. Seien Sie möglichst geduldig und verständnisvoll mit den Betroffenen und achten Sie auch auf Ihre eigene psychische Gesundheit und darauf sich nicht selbst mit der Situation zu überfordern.

Wohin kann ich mich konkret wenden?

Falls Sie oder eine Person in Ihrem Umkreis unter einer solchen Erkrankung leiden, können Sie sich an folgende Anlaufstellen wenden:

  • Hausärzte
  • Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Nervenheilkunde
  • Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Weitere Leistungserbringer für psychosoziale Therapien, wie z.B. Ergotherapeuten
  • Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bzw. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Rehabilitationseinrichtungen
  • Psychologen
  • Psychologische Psychotherapeuten

Falls Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld unter Gedanken leiden, sich das Leben zu nehmen, steht Ihnen rund um die Uhr eine anonyme, kostenlose Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 zur Verfügung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was erwartet mich dabei?

Behandlungsmöglichkeiten stellen sowohl eine medikamentöse Therapie als auch eine Psychotherapie und nichtmedikamentöse somatische Therapieverfahren dar. Oftmals wird auf eine Kombination der genannten Therapieverfahren zurückgegriffen. Allgemeine Behandlungsziele sind dabei immer die Symptomminderung bis hin zu einem vollständigen Rückgang der Symptome, die Wiederherstellung der beruflichen und psychosozialen Leistungsfähigkeit und Teilhabe, das Wiedererreichen des seelischen Gleichgewichts sowie die Verringerung der Rückfallwahrscheinlichkeit. Die Behandlung lässt sich dabei in die drei Phasen, Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Langzeitprophylaxe, untergliedern. Zu Beginn einer Behandlung erfolgt zunächst eine Aufklärung und Information der Patientin bzw. des Patienten, sowie eine gemeinsame Entscheidungsfindung des Therapeuten und Patienten über den Behandlungsplan sowie die Therapieziele, angepasst an die individuellen Bedürfnisse der Patientin bzw. des Patienten.

Medikamentöse Therapie

Wird sich für eine medikamentöse Therapie entschieden, so erfolgt die Auswahl des Medikaments, des sogenannten Antidepressivums, immer unter dem Aspekt der bestmöglichen Verträglichkeit. Auch mögliche Nebenwirkungen sowie gegebenenfalls vorangegangene Erfahrungen mit einer früheren Antidepressiva-Therapie werden in die Entscheidungsfindung miteinbezogen. Begonnen wird zunächst mit einer niedrigen Dosierung, welche dann, je nach Ansprechen auf die Behandlung, unter ärztlicher Begleitung gesteigert werden kann. Nach Nachlassen der Symptome sollte das Antidepressivum noch mindestens 6 weitere Monate eingenommen werden. Patienten mit zwei bis drei oder mehr vergangenen depressiven Phasen wird empfohlen das Antidepressivum mindestens zwei Jahre lang einzunehmen. Das Absetzten des Medikaments sollte jedenfalls in Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen. Ein abruptes Aufhören der Einnahme des Antidepressivums kann zum Wiederauftreten der depressiven Symptome führen.

Psychotherapie

Entscheiden Sie sich für eine Psychotherapie, so gibt es verschiedene Verfahren, zwischen denen Sie wählen können und die Sie über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen können. Zu diesen Verfahren zählen Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und systemische Therapie. Diese Verfahren unterscheiden sich in ihren Ansätzen, ihrer Dauer und ihrer Methodik, zielen aber alle auf eine Verbesserung der Beschwerden ab.
In der Verhaltenstherapie wird davon ausgegangen, dass psychische Beschwerden die Folge bewusster und unbewusster Lernprozesse sind. Das Augenmerk liegt daher auf Bedingungen der Vergangenheit und der aktuellen Lebenssituation, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der psychischen Beschwerden beigetragen haben und weiter wirksam sind. Die Patienten werden im Hinblick darauf in der Therapie angeleitet, ihr Handeln, Fühlen und Denken aktiv zu verändern. Dabei werden sie zudem unterstützt ihre bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten herauszuarbeiten und für den Veränderungsprozess nutzbar zu machen. Die analytische Psychotherapie nimmt an, dass psychische Beschwerden durch eine konflikthafte unbewusste Verarbeitung von früheren oder später im Leben erworbenen Lebens- und Beziehungserfahrungen verursacht und aufrechterhalten werden. Das Erkennen und Bewusstmachen verdrängter Gefühle, Erinnerungen und Beziehungsmustern sowie das Verstehen und Verändern von Fühlen und Handeln spielt dabei eine zentrale Rolle. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie werden die krankheitsbedingten Beschwerden als Folge aktueller Beziehungskonflikte oder als Folge nicht bewältigter Beziehungserfahrungen und Beziehungskonflikten aus früheren Lebensphasen angesehen. Das Ziel der Therapie ist hierbei, die zugrundeliegenden (unbewussten) Motive und Beziehungskonflikte der Symptome zu erkennen und sich mit diesen auseinanderzusetzen. In der systemischen Therapie werden psychische Störungen unter besonderer Berücksichtigung von Beziehungen verstanden. Der Fokus liegt auf der Sicht auf Belastendes, auf der Nutzung eigener Kompetenzen und auf den Fähigkeiten der Betroffenen und denen des Umfelds. Es wird darauf abgezielt Beschwerden fördernde Verhaltensweisen, Interaktionsmuster und Bewertungen umzuwandeln und neue, gesundheitsfördernde Lösungsansätze zu entwickeln.
Eine grundlegende Voraussetzung stellt bei allen Verfahren die Therapiemotivation der Patientin bzw. des Patienten sowie die Bereitschaft sich der Therapeutin bzw. dem Therapeuten gegenüber zu öffnen dar. Die behandelnde Therapeutin bzw. der behandelnde Therapeut unterliegen dabei der Schweigepflicht. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei im Einzel- oder Gruppensetting, ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Mehr Informationen über die Inhalte und Abläufe einer Psychotherapie sowie Anlaufstellen können Sie unter folgendem Link finden: https://www.wege-zur-psychotherapie.org/

Nichtmedikamentöse somatische Therapieverfahren

Unterstützend zu den Therapiemöglichkeiten medikamentöser Therapie und Psychotherapie, stellen auch nichtmedikamentöse somatische Therapieverfahren eine Option dar. Hierzu zählen beispielsweise körper- und bewegungsorientierte Verfahren (Ergotherapie, Physiotherapie, Entspannungstechniken) und künstlerische Therapien (Kunst-, Musik-, Tanz-, Theatertherapie). Ob und welche nichtmedikamentösen somatischen Therapieverfahren für Sie in Frage kommen, können Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin bzw. behandelndem Arzt oder mit Ihrer Psychotherapeutin bzw. Ihrem Psychotherapeuten besprechen.